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Die Alexander-Technik und die Macht der Gewohnheit

Wer mit der Alexander-Technik arbeitet, kommt bald zu der Einsicht, dass fast alles, was er tut, unter der Macht der Gewohnheit steht. Sich dieser Macht bewusst zu werden, in jeder Lebenssituation und bei jeder Bewegung, ist die erste Aufgabe der Alexander-Technik.

Aber was ist das, die Macht der Gewohnheit? Ein Großteil unseres Lebens, kann man sagen, ist beherrscht von Erziehungsmustern und Denkgewohnheiten. Was wir als Kinder lernen, was wir kennen und womit wir vertraut sind, wiederholen wir ohne bewusstes Zutun unser ganzes Leben. Wer schon als Kind gewohnt ist, mit dem Kopf zu arbeiten, wird automatisch ein intellektueller Mensch. Wer sich früh an körperliches Arbeiten gewöhnt, wird fast zwangsläufig zum Arbeiter. Dabei sind wir abhängig von der Kultur, in der wir aufwachsen. Sie prägt unsere Denk- und Handlungsweisen mit den dazugehörigen Vorurteilen. Zivilisation, kann man sagen, ist immer ein System von Gewohnheitsmustern und Vorurteilen.

Die Macht der Gewohnheit ist für unser alltägliches Funktionieren und Überleben absolut notwendig. Gleichzeitig bezahlen wir für sie einen hohen Preis. Denn sobald sich das Leben verändert – was ständig geschieht – finden wir es schwer oder gar unmöglich, unsere eingespielten Verhaltensmuster ebenfalls zu ändern. Unsere Angewohnheiten stehen uns ständig im Weg. Sie beherrschen unsere Wahrnehmung der Welt, stören oder verhindern den klaren Blick auf die „Wirklichkeit“. Diese wird zu etwas Unerreichbaren, von uns selbst durch einen Abgrund getrennt. Auch dort, wo es notwendig ist, sind wir oft nicht in der Lage uns zu ändern. Wir leben nur einen Teil unserer Möglichkeiten. Wir leben auf einer aus Gewohnheiten gebildeten Insel. Mit dem Ganzen treten wir nicht in Kontakt.

F. M. Alexander, der Begründer der Alexander-Technik, kam zu der Einsicht, dass dieses grundsätzliche Getrenntsein von der Wirklichkeit in unserer Existenz begründet liegt. Zuallererst zeigt es sich in der Art und Weise, wie wir von uns selbst Gebrauch machen. Hier (in unserem Selbstverständnis und Selbstgebrauch) liegt die Ursache der Trennung von Körper und Geist. Zwar sind Körper und Geist, wie Alexander feststellt, an allem, was wir tun, beteiligt. Wir haben uns jedoch angewöhnt, beide Anteile voneinander zu trennen, und das auch noch, ohne es selbst zu bemerken. Aufgrund dieser Gewohnheit ist es uns unmöglich zu erkennen, wie wir uns tatsächlich gebrauchen.

Seit er denken kann, stellt sich der Mensch in unterschiedlicher Weise die Frage nach der Macht der Gewohnheit. Immer wieder hat er nach einem Weg gesucht, der ihn aus seinen engen Gewohnheitsmustern und beschränkten Sichtweisen herausführt, zu mehr Offenheit und Weite, im ständiger Kampf mit den Grenzen, die das vertraute Denken ihm auferlegt.

Alexanders Entdeckungen sind weitere Schritte auf diesem Weg. Ein Student der Alexander-Technik, der die Verbindung zwischen Körper und Gedankenwelt erforscht, der das lernt, was Alexander „bewusste Kontrolle“ nannte, wird schrittweise in die Lage versetzt, sich als ein Ganzes zu erfahren.

Die Trennung von Körper und Geist, die wir aus langer Gewohnheit in uns selbst herstellen, ist Ursache vieler Behinderungen und Krankheiten. Gelingt es uns aber, Körper und Geist wieder miteinander zu verbinden, hat das positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unsere gesamte Lebensqualität.