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Kathrein Allenberg, Musikerin

18.11.13

Es ist eine meiner besten Entscheidungen gewesen, bei Dan eine Alexandertechnikausbildung zu machen.
Für mich war sie ein Fest!
Ich habe jeden Tag genossen.
Viele Phasen eines Lebens habe ich schon hinter mir:
Schule, Studium, Berufseinstieg, Ehe, Kindererziehung, Erfolg im Beruf.
Mein Sohn ist jetzt 25, so alt wie manche meiner Mitschüler.Die ATAusbildung hat sich wie ein großer heller Raum in ein altes Haus geschoben.So habe ich das nicht erwartet. Eine komplett neue Farbe in meinem Leben. Etwas Helles, Leichtes. Platz bekommen für etwas Unbekanntes, für meinen Körper.Diesen Körper. Ich habe ihn zwar gemocht (diesen Körper), aber mich nicht um ihn gekümmert. Einfach benutzt. Vielleicht mißbraucht.
Wenn der Mensch Körper, Seele und Geist ist, habe ich die Körperebene jahrelang vernachlässigt. So wurde das Erlernen der Alexandertechnik auch ein wunderbares Werkzeug, diesen vernachlässigten Teil meines „Ichs“, den Körper, kennenzulernen. Die weisse Landkarte peu a peu mit Hügeln, Flüssen, Strassen zu versehen. Die Oberarminnenseiten zu längen, die Fußgelenke durchlässig zu denken, den Kopf leicht wegschweben zu lassen, wohin er möchte...
Es ist ein unglaubliches, bis dahin nicht gekanntes Gefühl für mich, an die verschiedenen Teile des Körpers zu denken und sie fast gleichzeitig zu fühlen. Und dann die Dynamik der gegebenen Richtungen wahrzunehmen. Herrlich!

Ein Körper, der ständig fließen kann, wenn ich es zulasse, nur mit Gedanken. Was Gedanken dann noch alles bewirken können! Viel habe ich losgelassen in der Ausbildung: Schmerzen, unter Schmerzen, Spannungen, Vorurteile, Ängste …

Was, weiss ich oft nicht mehr, ich habe es losgelassen. Es belastet mich nicht mehr, ich werde leichter, freier, frei...

Sehr wichtig ist für mich auch das „bei mir bleiben“, die Abgrenzung, die ich hier gelernt habe.

Abgrenzung, mich nicht verantwortlich für andere zu fühlen, nicht auszufließen, war immer ein Thema für mich. Ein paar Gewohnheiten habe ich schon entdeckt und versucht, zu stoppen, work in progress.

Der erste Term war wohl der herausfordernste. So viele neue Leute, eine existierende Gemeinschaft, in die ich hereinbrach. Lange Zeit nahm ich gewohnheitsmäßig alles wahr, was im Raum vor sich ging: wer war wo, wer frei, wer hatte welche Energie, welche Laune....und ich sicherte mich ab. Doch Dan ging mit meinen Händen gnadenlos zu allen und mit allen Händen zu mir. Und ich habe gelernt: Es geht um meine Arbeit an mir, die anderen machen, was sie wollen. Ich befreie mich, wenn ich bei mir bleibe...
Heute weiss ich nicht genau, wer da ist, ich arbeite mit dem Nächsten, ich versuche, in meinem Rücken zu bleiben, an mir zu arbeiten, nichts zu wollen, (wäre schön!)....
Ich bin nur noch für mich verantwortlich.
Ich muss mich viel weniger schützen.


No judgement

Was auch noch völlig neu und wunderschön für mich ist, dass ich nicht beurteilt werde. Jeder ist besonders, die Entwicklung eines jeden einzigartig. Verzweifelt, weil ich vielleicht meine Länge nicht wahrnehmen konnte, war Dans Antwort immer: wait; slowly, slowly, it will come. Es geht nicht ums Erreichen.

Mein Beruf ist sehr competativ. Schon das Studium hat mich gelehrt, möglichst alles am besten und schönsten zu können. Die Begabteste zu sein, die Berührendste...
Nun war ich im urteilsfreien Raum, musste nichts können, durfte warten und mir zugucken, wie ich mich entwickelte. Nie fühlte ich mich von Dan gewertet.
Ich durfte begegnen, ohne besser oder schlechter zu sein.
Mein Beruf, mein Erfolg war nicht mehr wichtig.
Es war wie im Himmel.

Ich geniesse es sehr, dass kaum einer von seinem Beruf spricht und man sich auf einer anderen Ebene trifft, als Mensch.Ich liebe das Lachen in unserer Klasse, und Dans Witze und Humor. Schon deshalb möchte ich oft wiederkommen.


Stopsagen

Spät habe ich das Inhibieren, Stopsagen verstanden, noch später versucht anzuwenden. Ich war immer ein liebes Mädchen. Habe getan, was man von mir wollte.
Ende diesen Sommers habe ich zum erstenmal Stop zu meiner Geige gesagt.
Seit ich 4 Jahre alt bin, spiele ich Geige.
Wie oft habe ich mir als Kind gewünscht „normal“ zu sein, nicht üben zu müssen, spielen gehen zu können, wann ich wollte. Als Erwachsener dann, ohne Geige zu denken.
Ich war immer spielbereit, bereit für Konzerte.
Gut vorbereitet.
Ein netter Spielpartner.
Immer verständnisvoll, wenn einer nicht vorbereitet war, sehr geduldig.

Stop

Ich will nur noch machen, was ich möchte,
ich will nicht mehr verplant werden,
ich will nur meine Zeitung lesen!

Ich möchte mich bei allen Mitschülern bedanken, für unsere gemeinsame Zeit, ihre Offenheit, zusammen zu lernen, sich gegenseitig zu unterstützen, zu ermuntern und zu trösten.

Ich möchte mich bei allen Lehrern bedanken für Ihre Geduld, ihren Spass, ihre jedem eigene wunderbare Art, die Dinge immer wieder neu zu beleuchten, vor allem bei Jonathan und Elisabeth. Elisabeth! Man kann mit allem zu Dir kommen, Du hattest immer eine Idee für mein Problem: Hexenschuss, Gartenarbeit, wie stricke ich mit Richtungen, wie bewegt sich ein Baby, was ist Alter, muss ich eine Präsentation machen.... Du bist immer bereit, die Dinge von allen Seiten zu betrachten, mit Leichtigkeit.

Und endlich möchte ich mich bei Dan bedanken,
Du bist super, unglaublich,
Du hast eine großartige Art zu lehren, schenkst jedem Freiraum bis zum Mond,
der voller Quark so weiss ist.
Der große Stuhl ist klein.
Ich danke Dir für Deine Bilder, Deinen Humor, die Lieder, Deine Ratschläge.
Es ist mir ein Fest, Dich kennenzulernen und von Dir lernen zu dürfen!